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Wer mit dem Vogel tanzt...
Par Dr. Robert Harsieber le 20 September 2005
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Zwar dreht sich derzeit alles um die Wahl, aber die nächste Welle des medialen Schreckens wird nicht lange auf sich warten lassen. Zu verlockend ist das Spiel mit der Angst vor der Vogelgrippe-Pandemie. Da bietet sich nach einer kurzen kreativen Pause sicher ein neuer Höhepunkt an. Warum wir uns diese Höhepunkte aber von der Industrie diktieren lassen müssen, bleibt mir schleierhaft.
Bleiben wir bei den Tatsachen: Wenn es aufgrund einer möglichen Mutation des Vogelgrippe-Virus zu einer Pandemie kommt, dann müssen wir darauf vorbereitet werden. Aber die wichtigste Maßnahme ist dann die Isolation der Betroffenen und deren Angehörige usw. Die Abschwächung der Komplikationen und Folgeschäden durch ein Medikament ist ein ungeheuer wichtiger, aber sekundärer Faktor. Dieser fällt in die Kompetenz der Pharmaindustrie, die alles Recht der Welt hat, auf ihre Rolle dabei hinzuweisen. Dass das Thema völlig von dieser Seite vereinnahmt wird, ist jedoch unseriös. Doch daran sind wir alle selber schuld.
Tatsache ist auch, dass die Vogelgrippe eine Krankheit des Federviehs und damit ungefährlich für den Menschen ist. Erst eine mögliche Mutation des Virus macht die Gefahr. Und hier sollte die Diskussion einsetzen. Die bisher in Asien erkrankten Menschen hatten intensivsten Kontakt zu den Tieren. Die wirksamste Methode, die Gefahr abzuwenden ist nicht das Medikament, sondern die Abschaffung der unsäglichen Massentierhaltung. Denn "schuld" ist nicht das Virus, sondern die Dummheit der Menschen. (Das kennen wir schon vom Rinderwahn, dem auch ein Menschenwahn (die Verfütterung von Tiermehl an Pflanzenfresser) vorausging.
Und wenn der industrialisierte Westen genug Geld hat, um in einem unsinnigen Krieg den Terorismus zu bekämpfen (oder aufzuheizen), dann könnte das Geld doch auch reichen, um zu verhindern, dass die Entwicklungsländer alle unsere Fehler noch einmal machen. Den Entwicklungsländern dabei zu helfen ist sicher weit billiger, als die Folgen falscher Entwicklungen zu "bekämpfen". Die artgerechte Haltung der Tiere (in Asien wie auch bei uns - wir könnten aus unseren Fehlern ja auch selbst lernen) sollte so manche Katastrophe vermeiden helfen.
Wenn wir auf jede nur irgend mögliche drohende Gefahr nur mit dem reflexartigen Einkauf von Pillen reagieren (der natürlich von der Pharmaindustrie geschürt wird), dann bedeutet das, dass wir nichts tun und nur darauf warten, bis die Katastrophen eintreffen. (Und uns sicher fühlen, weil wir uns ja mit den Pillen eingedeckt haben.) Der menschliche Verstand sollte aber schon früher einsetzen. Aber Vorbeugen und Verhindern von Krankheit war ja nie die Stärke unseres Medizinsystems. Da beginnt es erst langsam zu dämmern.
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