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Entwickelt sich Leben oder Materie?
Par Dr. Robert Harsieber le 15 Juli 2005
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(1) Kommentare | Permalink
Es ist erschreckend, wie sich renommierte Wissenschaftler in ihren Reaktionen auf die Kritik des Wiener Kardinals Schönborn zur Evolutionstheorie in der New York Times selbst bloßstellen.
Biologen erforschen lebende Organismen, die sich in vielfacher Hinsicht von den unbelebten Objekten der Physik untercheiden. Der wohl bedeutendste Evolutionsbiologe des 20. Jahrhunderts, Ernst Mayr, betonte nicht nur die Zielgerichtetheit des Lebendigen, sondern er sah die Biologie als eigenständigen Wissenschaftszweig, für den viele Ansätze der "exakten" Wissenschaften schlicht nicht zutreffen.
Aber heute kümmert sich kaum jemand um die wissenschaftliche Kategorie der Methodenadäquatheit - die Methode muss sich dem Fachgebiet anpassen und nicht umgekehrt.
Eine andere Sache ist es, dass viele Wissenschaftler nicht imstande sind, Fakten und Interpretation zu unterscheiden, und dass Naturwissenschaft streng genommen auch nichts beweisen kann.
Die entscheidende Frage ist aber, was sich entwickelt: Materie oder Leben? Ist es das Leben, dann ist das Weltbild der Physik zu eng. Und wie Physik nicht erklären kann, was Materie ist, so auch Biologie nicht, was Leben leztlich ist. Naturwissenschaft kann keine Grundsatzfragen stellen. (Die Physik z.b. vermeidet den Begriff Materie und spricht nur von Masse.) Grundsatzfragen sind nur von Philosophie und Religion zu stellen. Von diesen zu verlangen, sich nicht in diese Fragen (der Evolution) einzumischen, ist damit Unsinn. Jegliche Ausgrenzung kann Erkenntnis nur verhindern.
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Kommentare
Kommentiert von: Helge Mücke | 20.07.2005 14:13:06
Erst habe ich gedacht: diesmal stimme ich Ihnen ausnahmsweise nicht zu, Kollege Harsieber. Aber dann habe ich vermutlich doch verstanden, wie Sie es meinen. Allerdings habe ich auch nicht jedes Detail nachgelesen (Links fehlen übrigens, Pardon).
Sicherlich muss man die methodischen Ansätze der Naturwissenschaften immer wieder hinterfragen - sie selber tun es zu wenig. Den "Grundantrieb" der Evolution kann Naturwissenschaft mit ihren Methoden nicht nachweisen - da kann Glauben ansetzen. Beides vermischen ist aber auch kein Weg.
Der Fundamentalismus kommt aber doch von anderer Seite. Vor etlichen Jahren habe ich mich mal in einem newsreader mit Kreationisten auseinandergesetzt. Es ist hoffnungslos, weil sie nicht bereit sind, Aussagen, die die Naturwissenschaft mit ihren begrenzten Mitteln (Reduktionismus) treffen kann, überhaupt anzuerkennen - andererseits aber selber von "Wissenschaft" und "Beweisen" sprechen ... Der Schulstreit in den USA ist absurd: Wenn man überhaupt in Schulen Naturwissenschaft vermitteln will - und das muss man natürlich -, dann kann man keinen Unterricht über Evolutionsbiologie (moderne Varianten des Darwinismus) verbieten. Die Methodenkritik mitzuliefern wäre nicht verkehrt. Unterricht über den Schöpfergott kann ja aber zusätzlich im Fach Religion stattfinden. Oder?
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